Der Stellvertreter

Originaltitel:
Amen.
Regie:
Costa Gavras
Autor:
Jean Claude Grumberg
Vorlage:
"Der Stellvertreter", 1963, St
Autor Vorlage:
Rolf Hochhut
Land: F
Jahr: 2002
Länge: 120 min.
Format: 1,85 : 1
in Farbe

Genf, 3.Juli 1936. Der jüdische Schriftsteller Ovidiu Cuncea (Stefan Lux) dringt in die Versammlung des Völkerbundes ein. Er adressiert die Versammlung wegen der Judenverfolgungen in Deutschland und erschießt sich. 1941. In Deutschland wird die geistig behinderte Nichte des SS Obersturmführers Ulrich Tukur (Kurt Gerstein) getötet; Tukur erkennt die fingierten „Todesursachen“ und der Bischof Bernd Fischerauer  (von Galen) protestiert öffentlich. Die Nazis stecken zurück. 1942. Tukur, ein Hygienespezialist, soll in Polen in einem Lager den Einsatz von Blausäure optimieren – und wird eingeweiht, daß dort Juden vergast werden. Er hatte im Zug Justus von Dohnanyi (Baron von Otter), einen Mitarbeiter der schwedischen Botschaft kennengelernt und wendet sich an ihn, dann an Constantin Alexandrov, den Nuntius des Vatikan in Berlin. Der weist ihn barsch ab. Doch so lernt er dessen Assistenten Mathieu Kassovitz (Riccardo Fontana) kennen, dessen Vater das Ohr des Papstes Marcel Jurez (Pius XII) hat. Während Tukur immer tiefer in das Vernichtungsnetz der SS eingespannt wird, bewirkt Kassovitz in Rom nichts. Die Weihnachtsansprache 1942 des Papstes ist weich formuliert. 1943. Kassovitz und Tukur begeben sich nun gemeinsam nach Rom. Als SS-Mann erhält Tukur keine Papstaudienz. Auch in Rom beginnen die Judendeportationen; einigen gewährt die Kirche Asyl. Kassovitz heftet sich einen Judenstern auf die Soutane und landet in einem Transportwaggon. Tukur fälscht (Himmlers) Unterschrift, um ihn im Lager zu retten. Er wird verhaftet, erhängt sich im Gefängnis. Kassovitz wird vergast.

Es hat nahezu 40 Jahre gedauert, bis sich jemand an die Verfilmung des Stückes von Hochhut wagte, das 1963 einen Skandal verursachte. In Deutschland war die Aufnahme des Films eher unfreundlich. Er präsentiert mit Völkerbund und Kirche zwei machtlose Organisationen; doch Gavras inszeniert rastlos, schafft ein Gefühl der Dringlichkeit und Ohnmacht, das einen bewegt. Trotz Überlänge intensiv und lohnend.

Mit Ulrich Mühe (SS-Arzt), Ion Caramitru (Graf Fontana), Friedrich von Thun (Gersteins Vater), Antje Schmidt (Gersteins Frau), Günther Maria Halmer (Pastor Dibelius).

Geneva, 3 July 1936. The Jewish writer Ovidiu Cuncea (Stefan Lux) intrudes into the Assembly of the League of Nations. He addresses the Assembly about the persecutions of Jews in Germany and shoots himself. 1941. In Germany, the mentally handicapped niece of SS Obersturmführer Ulrich Tukur (Kurt Gerstein) is killed; Tukur recognises the fabricated „causes of death“ and Bishop Bernd Fischerauer (von Galen) protests publicly. The Nazis retaliate. 1942: Tukur, a hygiene specialist, is supposed to optimise the use of hydrogen cyanide in a camp in Poland – and is informed that Jews are being gassed there. He had met Justus von Dohnanyi (Baron von Otter), an employee of the Swedish embassy, on the train and turns to him, then to Constantin Alexandrov, the Vatican nuncio in Berlin. He is harshly rebuffed. But this is how he gets to know his assistant Mathieu Kassovitz (Riccardo Fontana), whose father has the ear of Pope Marcel Jurez (Pius XII). While Tukur is drawn deeper and deeper into the SS’s extermination network, Kassovitz achieves nothing in Rome. The Pope’s 1942 Christmas address is softly worded. 1943. Kassovitz and Tukur now go to Rome together. As an SS man, Tukur does not receive an audience with the Pope. The deportations of Jews also begin in Rome; the Church grants asylum to some. Kassovitz staples a Jewish star onto his cassock and ends up in a transport wagon. Tukur forges (Himmler’s) signature to save him in the camp. He is arrested, hangs himself in prison. Kassovitz is gassed.

It took almost 40 years before anyone dared to film Hochhut’s play, which caused a scandal in 1963. In Germany, the reception of the film was rather unfriendly. It presents two powerless organisations, the League of Nations and the Church; but Gavras directs restlessly, creating a sense of urgency and powerlessness that moves one. Intense and rewarding despite its overlength.

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