Der große Mandarin

Regie:
Karl Heinz Stroux
Autor:
Karl Heinz Stroux
Land: D
Jahr: 1949
Länge: 100 min.
Format: 1,37 : 1
schwarz-weiß

Ein gesprochener Prolog ehrt Paul Wegener, den Schauspieler, der den Film trägt, seine Uraufführung aber nicht erlebte. Der Vorspann besagt, der Film spiele vor langer Zeit in Alt-Chinesien. Ein Filmatelier. Der Schauspieler Clemens Hasse erläutert der gesamten Crew, der Film könne nicht gedreht werden, weil Ausstattung und Geld fehle. Paul Wegener betritt das Atelier. Er appelliert an die Zuschauer, auch in moderner Kleidung, eben nur mit Zöpfen, könne gespielt werden. Das Publikum stimmt zu; es leiht den Schauspielern sogar Gewandung. Der Film beginnt. Paul Wegener, der große Mandarin, regiert das Land in turbulenten Zeiten bis zur nächsten Wahl. Sein Amtsdirektor Hubert von Meyerinck (Lo Chun) hat eigenmächtig ein Dekret erlassen, wonach Todesstrafe darauf stehe, bei der Viehzählung Tiere nicht anzumelden. Die Bauern sind ratlos: jeder hat mindestens ein Schwein nicht gemeldet. Diese Schweine landen nun heimlich in der Stadt und sollen an die künftigen Kabinettsmitglieder der Regierung verteilt werden, die der Metzgermeister bilden will. Doch Wegener rät den Frauen, eine eigene Partei zu gründen. Trotz Obstruktion der Männer siegt die Partei. Käthe Haack (Metzgermeisterin) wird Landesvorsteherin.

Paul Wegener, der Ostasien-Kenner und Kunstsammler, ist geistiger Vater dieses Films. Er zielt auf die damalige Gegenwart und verwendet mehrere Handlungsebenen, immer wieder eingeblendet, um das klarzumachen. Darstellerisch gelingen einzelne Szenen gut – seltsamerweise hält von Meyerinck, der Diener aller Herren, das Ganze zusammen. Unter den Trümmerfilmen der Unbekannteste, und wie andere Exemplare flüchtet er sich in intellektuelle Spielereien, die seinen Eindruck schwächen statt stärken. Aber emotionale Stärke konnte oder wollte man in dem zu lange missbrauchten Deutschland nicht mehr aufbringen.

Mit Christiane Felsmann (Metzgerstochter), Carsta Löck (Schreiberin).

Lieder: „Sieben Schweine ziehn vorüber“, „Hallo, Soldaten“, „Zwei Schmetterlinge fliegen“, „Hallo, ihr Frauen“.